Donnerstag, 6. Oktober 2011

Ludwig I. und Ludwig II.

Besonders die erste Phase seiner Regentschaft war Ludwig I. auf Ausgleich aller Regionen in seinem Herrschaftsgebiet bedacht. Natürlich flossen die meisten Mittel in Neubauten für seine Residenzstadt München, doch auch Ostbayern bekam mit der Wallhalla bei Donaustauf und der Befreiungshalle bei Kehlheim zwei größere Bauvorhaben ab. Ausserdem ließ er die den unvollendeten Dom in Regensburg zwei gotische Tumspitzen aufsetzen. Ansten beschränkten sich seine Verdienste hauptsächlich darauf, den Abriss von Kulturdenkmälern zu verhindern.

Ganz anders sein Enkel, mit dem er nur den Namen gleich hat, so unterschiedlich die Charaktere und auch die Sorge um das Reich. Ludwig II. war nie der große Herrscher, zu dem ihn heute viele stilisieren. Bayern interessierte in nur soweit, als es ein Werkzeug war, um seine Phantasien auszuleben. Vom Bauwahn des Märchenkönigs profitierte Ostbayern nicht. Seine Schlösser errichtete er allesamt im Alpenraum (z.B. Schloss Neuschwanstein im Schwangau) oder rund um die Residenzstadt München. Nördlich der Donau hat er lediglich mit der Einrichtung der Wagnerfestspiele in Bayreuth einen kleinen Akzent gesetzt.

Sonntag, 10. Juli 2011

Kneippkuren

Obwohl die Wirksamkeit von Kneippkuren nicht bewiesen ist, sind auch in den vergangenen Jahren wieder neue Kneippkurorte hinzugekommen - vor allem in Bayern, Tirol und Südtirol. Es ist in Ordnung, wenn Kneipp wie in Südtirol als Wellness angeboten wird, doch zur medizinischen Therapie sollte Kneipp tabu sein.

Natürlich kann Kneipp eine Abwechslung sein, den Körper wieder auf Trab bringen oder auch zu einen gesünderen Leben führen, doch viel mehr darf man sich nicht erwarten. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass Kneipp verstorben ist, weil er sich einer modernen Operation verweigert hat und lediglich seine Therapie an sich zugelassen.

Dienstag, 18. Januar 2011

Ein Schloss im Stil der Toskana



Ein Schloss im Stil der Renaissance, italienisch, toskanisch, und das Mitten in der Oberpfalz: Schloss Dietldorf. Erbaut wurde dieses malerisch an der Vils gelegene Schloss von den Tänzl von Tratzberg, die es auch heute noch besitzen. Die Adelsfamilie war aus dem heutigen Südtirol (damals Teil der zum Habsburgerreich gehörenden Grafschaft Tirol) nach Bayern eingewandert. Kein ungewöhnlicher Fall, denn zwischen Bayern und der Habsburger-Monarchie gab es einen regen Austausch.

Montag, 13. Dezember 2010

Bayern in seiner größten Ausdehnung

Bayern stellte mehrmals in der Geschichte eine Mittelmacht dar, oftmals mehr dem Zufall geschuldet als dem Können der jeweiligen Herrscher (deren Streben immer die eigene Macht galt und nicht dem Wohlergehen des Volkes). Die größte Ausdehnung erreichte das Herzogtum Baiern zwischen den Jahren 952 und 976.

Im Norden reichte es weit über die Quelle der Naab in der heutigen Oberpfalz hinaus bis zum Main, im Süden verlief die Grenze entlang der Etsch bis vor die Tore Venedigs. Das heutige Südtirol, Trient, und ein guter Teil Venetiens und Istriens im heutigen Italien standen unter dem Zepter der Bayernherzöge.

Im Westen lag Augsburg, im Osten reichte das Herzogtum bis die Böhmische March. Ostbayern bildete auch damals die Grenze zu Böhmen. Hier hat sich die Grenze seither wenig verändert.

Montag, 15. November 2010

Gott mit Dir, Du Land der Bayern

Bayern ist immer ein wenig anders als die anderen deutschen Bundesländer. So hat Bayern eine eigene, moderne Verfassung und, was noch ungewöhnlicher ist, eine eigene Hymne, die sogar per eben dieser Verfassung vor Verunglimpfung geschützt ist: Die Bayernhymne.

Mit viel Pathos wird die Eintracht mit den deutschen Stämmen beschworen und der christliche Gott als oberster Schutzherr angerufen. Nun muss man den Inhalt im Kontext der Zeit sehen.

Entstanden ist Text und Musik entstanden vor 1860. Da war es noch gar nicht so lange her, dass Frankreich fast ganz Europa erobert und das Deutsche Reich, das fast tausend Jahre bestand, auseinander gerissen hatte.

Der Dualismus von Preussen und Österreich verhinderte einen von der Bevölkerungsmehrheit herbeigesehnten deutschen Nationalstaat. Die Reichsfürsten waren auch nicht so erpicht auf eine Einigung, hätte es doch Machtverlust bedeutet.

Auch dass in der ersten Strophe für das Land, in der zweiten das Volk (Gott mit Dir, dem Bayernvolke) und erst in der dritten, heute natürlich nicht mehr gesungenen, Gottes Schutz für den König beschworen wird, passt in diesen Zusammenhang.

Ein durchaus progressives Lied vor 150 Jahren, doch gerade mit der Ausrichtung auf Gott ein nicht mehr zeitgerechte und problematisch, da es auch heute noch jeder Schüler in Bayern auswendig lernt.

Samstag, 30. Oktober 2010

Die Landgrafen von Leuchtenberg

Die Landgrafen von Leuchtenberg waren eine einflußreiche Adelsfamilie vom Mittelalter bis zum Tod des letzten Leuchtenbergers 1646. Sie beherrschten zu ihrer Hochzeit ein Territorium, das große Teile der Oberpfalz und zwei Grafschaften im heutigen Niederbayern umfasste. Nach den Wittelsbachern waren sie die größten (nichtgeistlichen) Territorialherren in Bayern.

Ihr Stammsitz war die Burg Leuchtenberg in der gleichnamigen Gemeinde bei Weiden i.d. Oberpfalz, später eine neu erbaute Residenz in der Stadt Pfreimd. In der Region ist heute noch Pfalzgraf Johann bekannt, der bei Hiltersried die gefürchteten Hussiten besiegen konnte. Ein alljährliches Volksschauspiel in Neunburg v.W. erinnert noch heute an ihn.

Später wurde der Titel Herzog von Leuchtenberg als Ehrentitel verliehen und es existiert heute noch ein russisches Adelsgeschlecht, dass sich nach Leuchtenberg nennt, mit den Landgrafen oder der Oberpfalz jedoch nichts zu tun hat. Auch die bayerischen Herrscher führten ab 1714 den Titel Landgraf von Leuchtenberg, nachdem das Gebiet bayerische Provinz geworden war.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Bairisch und Bayern

Warum schreibt man eigentlich die Sprache Bairisch mit i, Bayern aber mit y in der Mitte? Der Hauchdünne Unterschied liegt darin, dass Sprachgebiet und der Freistaat Bayern nicht deckungsgleich sind. Baierisch wird auf dem Gebiet Bayerns lediglich in den Bezirken Oberpfalz (Nordbairisch), Niederbayern und Oberbayern (beide Mittelbayerisch) gesprochen. Ausserhalb von Bayern spricht man in Österreich (Ausnahme Vorarlberg) und in der italienischen Provinz Südtirol Mittel- bzw. Südbairisch. Das Sprachgebiet ist also ziemlich Decklungsgleich mit dem ersten Stammersherzogtum bis 788. Dazu kommen kleine baierische Sprachinseln im Trentino, der Schweiz, im Vogtland und in Osteuropa bis Sibirien, die auf mittelalterliche bzw. neuzeitliche Kolonialisierung zurück gehen.

Das mit dem y im Ländernamen ist übrigens auch relativ leicht zu erklären: Das "griechische" y verordnete König Ludwig I. den Untertanen, als sein Sohn Otto den Thron Griechenlands zugesprochen bekam.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Warum es ein Ostbayern gibt, aber kein Westbayern

Ostbayern - in nicht so glücklichen Zeiten als Bayerische Ostmark bezeichnet - umfasst die Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz. Geografisch liegen sie im Osten des Freistaates.

Ein Westbayern gibt es nicht, denn westlich der Oberpfalz liegen die drei fränkischen Regierungsbezirke, also das Gebiet, das sich das damalige Königreich Baiern durch geschickten Seitenwechsel von Pro-Napoleon zu Pro-Österreich hat sichern können.

Südbayern gibt es natürlich, nur versteht man darunter den bayerischen Teil Schwabens (auch so eine Kriegsbeute wie Franken), Oberbayern und - Achtung, jetzt wird es kompliziert! - Niederbayern, das ja schon bei Ostbayern dabei ist.

Nordbayern hingegen, das sind Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken und die Oberpfalz, also die Gebiete nördlich der Donau, die nach gängiger Meinung von München aus auch heute noch wie besetztes Gebiet regiert werden.

Um die Verwirrung komplett zu machen: Südbaiern war die offizielle Bezeichnung Tirols (natürlich inklusive des heutigen Südtirols) während der napoleonischen Epoche, als sich Baiern über die den Brenner hinaus erstreckte.

Und Südbairisch sprechen die Südtiroler, die Österreicher zu großen Teilen Mittelbairisch, aber das ist eine neue Geschichte. Das mit dem i und den y in Ba(i/y)ern übrigens auch.

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